Vertriebsingenieur
Vertriebsingenieure verkaufen technisch komplexe Produkte und Anlagen an Industriekunden. Sie verbinden Ingenieurwissen mit Verkauf: Sie klären Anforderungen, rechnen Lösungen durch und führen die kaufmännische Verhandlung.
15 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Vertriebsingenieur verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.800 € | 4.400 € | 5.200 € | 52.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.800 € | 5.700 € | 6.800 € | 68.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 6.000 € | 7.200 € | 9.500 € | 86.400 € |
Die Werte entsprechen dem Gesamtgehalt bei üblicher Zielerreichung; der feste Anteil liegt im technischen Vertrieb hoch, meist bei 80 bis 90 Prozent, reine Provisionsmodelle sind unüblich. Entscheidend sind Branche und Betriebsgröße: Tarifgebundene Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie zahlen nach IG-Metall-Tarif deutlich planbarer und oft über dem Mittel, während kleine Handelshäuser darunter liegen; Exportverantwortung und Großkundenbetreuung heben das Niveau zusätzlich.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Vertriebsingenieur?
Vertriebsingenieure betreuen Industriekunden, für die ein Produkt nicht aus dem Katalog gewählt, sondern auf eine Anwendung ausgelegt wird: Antriebstechnik, Pumpen, Sensorik, Werkzeugmaschinen, Automatisierungskomponenten, Sondermaschinen. Der Arbeitstag besteht aus Kundenterminen im Gebiet, technischen Klärungen am Telefon und im Video, Auslegungsrechnungen, Angebotskalkulation und Abstimmung mit Konstruktion, Produktmanagement und Auftragsabwicklung. Beim Kunden sprechen sie mit Konstrukteuren, Instandhaltern und Fertigungsleitern über Toleranzen, Schnittstellen und Lebenszykluskosten, danach mit dem Einkauf über Preis, Staffeln und Lieferzeiten.
Die Rolle arbeitet überwiegend nach außen. Ob der Schwerpunkt auf Neukundengewinnung oder Bestandsbetreuung liegt, hängt vom Unternehmen ab: Im klassischen Maschinen- und Anlagenbau dominiert die Betreuung eines gewachsenen Kundenstamms mit langen Projektzyklen, bei jungen Technologieanbietern steht die Akquise im Vordergrund. Führungsverantwortung gehört zunächst nicht dazu, wohl aber die Steuerung von Projektteams ohne Weisungsbefugnis.
Wie wird man Vertriebsingenieur?
Der übliche Weg ist ein ingenieurwissenschaftliches Studium, meist Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, als Bachelor oder Master. Viele Unternehmen setzen keine Vertriebserfahrung voraus und schulen intern, oft über eine Phase in Anwendungstechnik, Konstruktion oder Innendienst. Ein zweiter, ebenso verbreiteter Weg führt über die Praxis: Techniker- oder Meisterabschluss plus mehrere Jahre Anwendungs- oder Servicewissen im Produkt. Wer aus dem technischen Service kommt und Kunden bereits kennt, wechselt häufig direkt in den Außendienst. Quereinsteiger aus dem Handwerk haben Chancen dort, wo die Anwendung im Vordergrund steht und nicht die Berechnung.
Was der Beruf verlangt
Das Gebiet ist meist groß, Reisezeiten von zwei bis vier Tagen pro Woche sind normal, bei Exportverantwortung kommen Auslandsreisen dazu. Der Zieldruck ist vorhanden, aber anders getaktet als im Konsumgütervertrieb: Projekte laufen über Monate bis Jahre, ein verlorener Auftrag ist im Quartal nicht aufzuholen. Belastend ist die Doppelrolle. Kunden erwarten belastbare technische Aussagen, das eigene Haus erwartet Marge, und beides steht regelmäßig gegeneinander. Wer Konflikte scheut oder ungern Nein sagt, kommt in Verhandlungen schnell an eine Grenze. Dokumentation im CRM, Forecasts und Reisekostenabrechnung nehmen mehr Zeit ein, als die meisten erwarten. Abendtermine und Messewochenenden gehören dazu, die Wochenarbeitszeit ist selten planbar.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Segmenten höher als das Angebot, weil die Kombination aus Technikverständnis und Verkaufsbereitschaft selten ist. Besonders gesucht sind Menschen mit Erfahrung in Automatisierung, Elektrifizierung, Sensorik und Energietechnik. Die Fluktuation ist niedriger als in anderen Vertriebsberufen, weil Produktwissen und Kundenbeziehungen lange aufgebaut werden. Entwicklungswege führen in die Gebiets- oder Vertriebsleitung, ins Key-Account-Management für Großkunden, ins Produktmanagement oder in die Leitung einer Auslandsvertretung. Wer technisch in die Tiefe will, geht in die Anwendungstechnik oder in den Systemvertrieb komplexer Anlagen.
Aufgaben
- Industriekunden im zugeordneten Gebiet technisch und kaufmännisch betreuen
- Anforderungen beim Kunden aufnehmen und Lösungen auslegen
- Angebote kalkulieren und Preise gegenüber dem Einkauf verhandeln
- Projekte mit Konstruktion, Produktmanagement und Fertigung abstimmen
- Neukunden und neue Anwendungen erschließen
- Produktschulungen und Inbetriebnahmebegleitung beim Kunden
- Messen und Fachveranstaltungen betreuen
- Forecast, Projektpipeline und Kundendaten im CRM pflegen
Voraussetzungen
- Ingenieurstudium oder Technikerabschluss mit einschlägiger Praxis
- Fähigkeit, technische Sachverhalte für Einkauf und Geschäftsführung verständlich darzustellen
- Verhandlungssicherheit und Bereitschaft, Preise zu vertreten
- Englisch verhandlungssicher, weitere Sprachen je nach Gebiet
- Führerschein Klasse B und hohe Reisebereitschaft
- Selbstorganisation bei überwiegend eigenverantwortlicher Arbeit vom Homeoffice aus
Wo man arbeitet
- Maschinen- und Anlagenbauunternehmen
- Hersteller von Komponenten der Antriebs-, Automatisierungs- und Sensortechnik
- Technische Handelshäuser und Systemhäuser
- Zulieferer der Automobil-, Chemie- und Lebensmittelindustrie
- Ingenieurbüros und Anbieter industrieller Dienstleistungen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelor- oder Masterstudium im Maschinenbau, in der Elektrotechnik, Mechatronik oder im Wirtschaftsingenieurwesen mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren. Der Einstieg erfolgt häufig über Anwendungstechnik, Innendienst oder ein Traineeprogramm, das nach ein bis zwei Jahren in ein eigenes Gebiet führt. Alternativ ist der Weg über eine technische Ausbildung mit anschließender Techniker- oder Meisterqualifikation und mehreren Jahren Produkterfahrung verbreitet.
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