Vertriebsingenieur im Hochbau
Vertriebsingenieure im Hochbau verkaufen erklärungsbedürftige Bauprodukte und Systemlösungen an Planungsbüros, Generalunternehmer und Bauherren. Sie verbinden technische Beratung auf der Baustelle mit Angebotskalkulation und Verhandlung.
5 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Vertriebsingenieur im Hochbau verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.800 € | 4.400 € | 5.000 € | 52.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.800 € | 5.600 € | 6.600 € | 67.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 6.000 € | 7.200 € | 9.000 € | 86.400 € |
Angegeben ist das Gesamtgehalt bei üblicher Zielerreichung; der feste Anteil liegt im Hochbauvertrieb meist bei 75 bis 85 Prozent, der Rest hängt an Gebietsumsatz und Deckungsbeitrag. Entscheidend für die Höhe sind Unternehmensgröße, Produktmarge und Gebietspotenzial – Hersteller mit Markenprodukten zahlen deutlich über dem Baustoffhandel; einen Branchentarifvertrag gibt es für diese Rolle in der Regel nicht, Dienstwagen zur privaten Nutzung ist Standard.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Vertriebsingenieur im Hochbau?
Der Beruf sitzt zwischen Technik und Verkauf. Vertrieben werden Produkte, die sich nicht über den Katalog verkaufen: Fassadensysteme, Betonfertigteile, Brandschutz, Bewehrungstechnik, Abdichtung, Tragwerkskomponenten oder Gebäudetechnik im Rohbauumfeld. Die Kunden sind Architekten, Fachplaner, Statiker, Bauunternehmen, Generalunternehmer und Bauherren – jede Gruppe mit anderem Interesse. Der Planer will ein ausschreibungsfähiges Detail, der Unternehmer einen Preis und einen Liefertermin.
Der Alltag besteht aus Objektverfolgung und Terminen im Gebiet. Projekte werden früh identifiziert, oft über Ausschreibungsdatenbanken oder Kontakte in Planungsbüros. Dann folgt die Phase, in der das eigene Produkt in die Ausschreibung geschrieben wird – der eigentliche Hebel des Berufs. Später kommt die Angebotsphase mit Massenermittlung, Kalkulation, Nachlassverhandlung und Abstimmung mit der eigenen Anwendungstechnik. Dazu kommen Baustellenbesuche, Einweisungen des Verarbeiters, Reklamationsbearbeitung und Schulungen für Planer. Die Rolle arbeitet nach außen, betreut ein festes Gebiet und mischt Bestandspflege mit aktiver Objektakquise. Geführt wird in der Regel nicht, außer in Positionen als Gebietsverkaufsleiter.
Wie wird man Vertriebsingenieur im Hochbau?
Der übliche Weg ist ein Studium des Bauingenieurwesens, der Architektur oder eines verwandten technischen Fachs, häufig als Bachelor an einer Fachhochschule. Viele kommen nicht direkt aus dem Studium, sondern nach einigen Jahren in der Bauleitung, Arbeitsvorbereitung oder Kalkulation – diese Erfahrung wird von Herstellern gesucht, weil sie Glaubwürdigkeit auf der Baustelle schafft. Ein zweiter Weg führt über den Techniker oder Meister im Bauhauptgewerbe mit anschließender Vertriebstätigkeit. Quereinsteiger aus dem Handwerk haben Chancen, wenn sie das Gewerk genau kennen; verkäuferische Grundlagen werden dann im Unternehmen aufgebaut. Fast alle Hersteller schulen intern über Monate auf Produkt, Norm und Kalkulation.
Was der Beruf verlangt
Die Reisezeiten sind hoch. Gebiete umfassen häufig ein bis zwei Bundesländer, Übernachtungen unterwegs gehören dazu, bei größeren Gebieten mehrere pro Woche. Der Tag beginnt früh, weil Baustellen früh beginnen, und endet oft mit Angebotsarbeit im Homeoffice. Sicherheitsschuhe, Helm und Wetter gehören zum Alltag.
Der Verkaufszyklus ist lang. Zwischen erstem Planerkontakt und Auftrag können zwei Jahre liegen, und der Auftrag geht am Ende manchmal an einen Wettbewerber, weil der Einkauf des Generalunternehmers nur den Preis sieht. Damit muss man umgehen können. Zielvorgaben werden meist auf Jahresumsatz und Deckungsbeitrag im Gebiet gemessen, in schwachen Baujahren mit spürbarem Druck. Die Baukonjunktur schlägt direkt durch – das unterscheidet den Beruf von Vertriebsrollen in stabileren Branchen. Technische Genauigkeit ist Pflicht: Eine falsche Zusage zu einer Brandschutzklasse oder einem Bemessungswert wird teuer.
Aussichten
Qualifizierte Leute mit Bauerfahrung und Verkaufsbereitschaft sind knapp, die Nachfrage bleibt trotz schwankender Baukonjunktur stabil. Themen wie energetische Sanierung, Brandschutznachrüstung und Bauen im Bestand tragen den Markt, auch wenn der Neubau nachlässt. Entwicklungswege führen zum Key-Account-Management für Generalunternehmer und Bauträger, in die Gebiets- oder Verkaufsleitung, in das Produktmanagement oder in die Objektberatung auf Planerseite. Der Wechsel zwischen Herstellern ist üblich und meist der schnellste Weg zu mehr Einkommen.
Aufgaben
- Bauprojekte über Ausschreibungsdienste und Planerkontakte frühzeitig identifizieren
- Architekten und Fachplaner beraten und eigene Systeme in die Ausschreibung bringen
- Massen ermitteln, Angebote kalkulieren und Preise mit Einkauf und Bauleitung verhandeln
- Baustellen begleiten, Verarbeiter einweisen und Ausführungsfragen klären
- Bestandskunden im Gebiet betreuen und Jahresvereinbarungen abstimmen
- Reklamationen aufnehmen und mit Anwendungstechnik und Werk klären
- Planerschulungen und Produktpräsentationen durchführen
- Objektpipeline und Forecast im CRM pflegen
Voraussetzungen
- Studium im Bauingenieurwesen, in der Architektur oder vergleichbare technische Qualifikation, alternativ Techniker oder Meister mit Baupraxis
- Sicherer Umgang mit Plänen, Leistungsverzeichnissen, Normen und Bemessungsgrundlagen
- Verhandlungsfähigkeit gegenüber technisch und kaufmännisch geprägten Gesprächspartnern
- Bereitschaft zu hoher Reisetätigkeit mit Übernachtungen
- Führerschein Klasse B
- Belastbarkeit bei langen Verkaufszyklen und Jahreszielen
- Grundlegende körperliche Eignung für Baustellenbegehungen
Wo man arbeitet
- Hersteller von Bauprodukten und Bausystemen
- Baustoffhandel und technischer Großhandel
- Fertigteil- und Betonwerke
- Anbieter von Gebäude- und Fassadentechnik
- Ingenieur- und Systemanbieter im Bauwesen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein sechs- bis siebensemestriges Bachelorstudium im Bauingenieurwesen oder in der Architektur, oft ergänzt durch einige Jahre in Bauleitung oder Kalkulation. Der Einstieg in den Vertrieb erfolgt danach über ein internes Traineeprogramm oder eine Einarbeitung an der Seite eines erfahrenen Gebietsverkäufers, die je nach Produkt sechs bis zwölf Monate dauert. Ein Zweitweg führt über Techniker oder Meister im Bauhauptgewerbe mit anschließender Weiterbildung im technischen Vertrieb.
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