Was hier gearbeitet wird
Führung von Vertriebsmannschaften und Verantwortung für ein Ergebnis. Je nach Zuschnitt heißt die Stelle Verkaufsleiter, Regionalleiter, Bezirksleiter, Vertriebsleiter oder Head of Sales; gemeinsam ist ihnen, dass nicht mehr der eigene Abschluss zählt, sondern der des Teams.
Die Aufgaben verschieben sich entsprechend: Gebiete zuschneiden, Ziele verteilen, Mitarbeitergespräche führen, Begleitbesuche im Außendienst, Forecast an die Geschäftsführung, Preisfreigaben, Einstellungen und Trennungen. Der Anteil eigener Kundentermine sinkt, verschwindet aber selten ganz – Schlüsselkunden bleiben meist bei der Leitung.
In Handel und Filialorganisationen bezeichnet dieselbe Ebene etwas anderes: Der Bezirksleiter betreut ein Dutzend Filialen und führt deren Leitungen. Auch das ist Vertriebsführung, nur mit Fläche statt Gebiet.
Der Weg hinein
Der übliche Weg führt über mehrere Jahre im Außendienst oder Key Account desselben oder eines vergleichbaren Hauses. Erwartet wird ein kaufmännisches oder branchennahes Studium, bei Aufstieg aus der Praxis oft ersetzt durch Erfahrung und nachweisbare Ergebnisse.
Der Schritt ist kein größerer Vertriebsjob, sondern ein anderer Beruf. Wer ihn geht, gibt die Größe auf, an der er bisher gemessen wurde – die eigenen Zahlen –, und wird an der Leistung von Menschen gemessen, die er nicht kontrolliert.
Wie die Arbeit aussieht
Reisetätigkeit bleibt, Wochenarbeitszeit steigt, die Erreichbarkeit ebenfalls. Die Vergütung besteht meist aus einem hohen Fixum, einem Jahresbonus auf Bereichsziele und in größeren Häusern einer längerfristigen Komponente.
Die Führungsspanne entscheidet über den Alltag: Sechs Außendienstler lassen sich begleiten, dreißig nur noch steuern. Beides steht als „Führungserfahrung" in derselben Anzeige.
Vor der Bewerbung
Drei Fragen lohnen sich vor der Zusage. Wie ist das Ziel zustande gekommen – gesetzt oder verhandelt? Welche Entscheidungen darf die Leitung allein treffen, insbesondere bei Preisen und Personal? Und warum ist die Stelle frei?
Die letzte Frage ist die wichtigste. Eine Vertriebsleitung, die dreimal in vier Jahren gewechselt hat, hat ein Problem, das nicht an den Personen lag.
Was sich mit der Größe des Hauses ändert
In einem mittelständischen Betrieb führt der Vertriebsleiter fünf bis zehn Menschen, sitzt in der Geschäftsleitung, entscheidet über Preise und betreut selbst die größten Kunden. Die Rolle ist breit und die Wege sind kurz.
In einem Konzern ist dieselbe Bezeichnung eine Ebene in einer Matrix: Ziele kommen aus der Zentrale, Preise aus dem Pricing, Marketingbudgets aus einer anderen Linie. Geführt wird disziplinarisch, gesteuert wird über Kennzahlen, und ein erheblicher Teil der Woche geht in Berichtswesen und Abstimmung.
Beides ist Vertriebsleitung, und wer aus dem einen ins andere wechselt, unterschätzt den Unterschied regelmäßig. Die Frage danach gehört ins erste Gespräch: Worüber entscheidet die Stelle allein, worüber im Einvernehmen, und wo berichtet sie nur?
Führen statt verkaufen
Der häufigste Fehler beim Aufstieg aus dem Vertrieb ist, weiter selbst zu verkaufen. Er ist verständlich – das ist die Arbeit, die man beherrscht, und sie liefert schnellere Erfolgserlebnisse als ein Entwicklungsgespräch. Er ist trotzdem der Grund, warum manche Mannschaft unter einer erfahrenen Leitung schlechter wird: Wer dem Außendienst die schwierigen Termine abnimmt, nimmt ihm auch die Gelegenheit, sie zu lernen.
Häuser, die das verstanden haben, fragen im Einstellungsgespräch danach. Es lohnt sich, eine ehrliche Antwort darauf vorbereitet zu haben.