Was macht ein Filialleiter für die Neueröffnung?
Die Rolle beginnt, bevor es einen Kunden gibt. Wochen vor der Eröffnung übernimmt der Filialleiter einen Rohbau oder eine leere Mietfläche und arbeitet einen Terminplan ab: Ladenbau abnehmen, Kassen- und Warenwirtschaftssysteme in Betrieb nehmen, Erstbestellung nach Flächenvorgabe der Zentrale einsteuern, Regale nach Planogramm bestücken, Preisauszeichnung prüfen. Parallel läuft der Personalaufbau, meist die aufwendigste Aufgabe: Stellen ausschreiben, Bewerbungsgespräche führen, ein komplettes Team aus Verkäufern, Kassenkräften und Teamleitern einstellen und einarbeiten, das sich vorher nie gesehen hat.
Mit der Eröffnung wechselt die Arbeit den Charakter. Jetzt zählen Umsatz pro Tag, Abschriften, Personalkostenquote und Kundenzufriedenheit. Der Filialleiter steht auf der Fläche, korrigiert Dienstpläne, verlagert Personal in die Spitzenzeiten, meldet Abweichungen an den Bezirks- oder Regionalleiter und stellt die Prozesse ein, die im Handbuch stehen, aber in der Praxis erst laufen müssen. Nach drei bis zwölf Monaten ist der Standort im Regelbetrieb. Dann folgt entweder die dauerhafte Leitung dieser Filiale oder der nächste Eröffnungsprojekt.
Wie wird man Filialleiter für die Neueröffnung?
Der übliche Weg führt über eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel oder Verkäufer, anschließend mehrere Jahre auf der Fläche, Stellvertretung und die Leitung einer bestehenden Filiale. Erst wer nachgewiesen hat, dass er einen Standort mit Zahlen und Team führen kann, wird für Eröffnungen eingesetzt. Alternativ steigen Absolventen von Handelsfachwirt-Lehrgängen, dualen Handelsstudiengängen oder Trainee-Programmen ein. Quereinsteiger kommen häufig aus der Systemgastronomie, aus dem Filialbanking oder aus der Logistik, wo Schichtplanung und Personalverantwortung ebenfalls zum Alltag gehören. Entscheidend ist nicht der Abschluss, sondern belegbare Führungserfahrung mit mehr als zehn Mitarbeitern.
Was der Beruf verlangt
Eröffnungsphasen sind Sonderbelastung. Sechs-Tage-Wochen, frühe Warenannahmen, Abendtermine mit dem Ladenbau und Arbeit an Samstagen sind in dieser Zeit normal, nicht die Ausnahme. Wer bundesweit eröffnet, ist Wochen am Stück auswärts und übernachtet im Hotel; einige Arbeitgeber verlangen Umzugsbereitschaft. Es kommt regelmäßig vor, dass Handwerker nicht fertig werden, Ware nicht ankommt oder eingestellte Mitarbeiter vor dem ersten Tag abspringen - und der Eröffnungstermin trotzdem gehalten wird. Dazu kommt der Zieldruck aus der Zentrale, körperliche Arbeit beim Aufbau und die Aufgabe, ein Team zu führen, das noch keine Routine hat. Die Fluktuation in Filialleitungen ist hoch, besonders im ersten Jahr nach einer Eröffnung.
Aussichten
Expandierende Handelsformate - Discount, Drogerie, Fachmärkte, Fitness, Systemgastronomie - suchen dauerhaft Personen, die Standorte hochfahren können. Wer zwei oder drei Eröffnungen erfolgreich abgeschlossen hat, ist auf dem Markt gut sichtbar. Typische Entwicklungswege führen zur Bezirks- oder Regionalleitung mit mehreren Filialen, in die Expansionsabteilung, ins Vertriebscontrolling oder in die Rolle des Eröffnungsspezialisten, der ausschließlich neue Standorte begleitet. Wo Ketten Filialnetze verkleinern, verschiebt sich die Nachfrage von Neueröffnung zu Umbau und Standortübernahme - die Fähigkeiten bleiben dieselben.