Was macht ein Key Account Manager?
Key Account Management ist Betreuung weniger, aber sehr großer Kunden. Statt vierzig Termine im Monat abzuarbeiten, verantwortet ein Key Account Manager oft nur fünf bis fünfzehn Kundenbeziehungen – die dafür einen erheblichen Teil des Umsatzes tragen. Die Arbeit besteht aus Jahresgesprächen mit dem Zentraleinkauf, Konditionsverhandlungen, Sortiments- und Listungsentscheidungen, Preisrunden, Promotionplanung und der Nachverfolgung von Absatzzahlen. Dazu kommt ein hoher interner Anteil: Forecasts an die Produktion oder Disposition weitergeben, mit Marketing Aktionen abstimmen, mit Controlling Deckungsbeiträge prüfen, bei Lieferproblemen zwischen Kunde und Werk vermitteln.
Die Rolle arbeitet nach außen, aber selten in der Kaltakquise. Neugeschäft entsteht eher durch Ausbau bestehender Beziehungen – zusätzliche Warengruppen, weitere Länder, neue Standorte des Kunden. Geführt wird meist nicht, häufig aber ein Team koordiniert: Innendienst, Außendienstkollegen im Gebiet, Category Management. Wer aufsteigt, übernimmt als Key Account Director ein Team oder ein Kundenportfolio.
Wie wird man Key Account Manager?
Es gibt keine Ausbildung dafür. Der übliche Weg führt über einige Jahre Außendienst oder Innendienst im gleichen Markt. Ein betriebswirtschaftliches Studium ist verbreitet und in Konzernen oft Einstiegsvoraussetzung, im Mittelstand und in technischen Branchen zählt Branchenkenntnis mehr als der Abschluss. Quereinstieg gelingt regelmäßig aus dem Handel selbst: Wer im Einkauf einer Kette gearbeitet hat, kennt die Gegenseite und ist als Verhandler gesucht. Auch Techniker und Ingenieure wechseln in technische Key-Account-Rollen. Wichtig sind belastbare Zahlenkompetenz, Erfahrung mit Verhandlungen über größere Volumina und in international tätigen Unternehmen verhandlungssicheres Englisch.
Was der Beruf verlangt
Der Zieldruck ist hoch und schlecht ausweichbar. Fällt ein Großkunde aus oder listet eine Warengruppe aus, ist das Jahresziel nicht durch Mehrarbeit an anderer Stelle zu retten. Verhandlungen mit professionellen Einkaufsorganisationen sind unangenehm geführt: Preisforderungen, Vergleiche mit Wettbewerbern, Androhung von Auslistungen gehören zum Repertoire. Wer Konflikte schlecht aushält, ist hier falsch.
Die Reisetätigkeit ist geringer als im klassischen Gebietsaußendienst, aber vorhanden – Kundenzentralen, Messen, interne Meetings, bei internationalen Accounts auch Flugreisen. Dafür steigt der Anteil an Schreibtischarbeit deutlich: Auswertungen, Präsentationen, Kalkulationen, Abstimmungsrunden. Viele unterschätzen, wie viel Zeit die interne Durchsetzung eines Kundenwunsches kostet. Jahresgesprächsrunden im Herbst und Winter bringen Phasen mit langen Tagen. Die Fluktuation ist moderat, Wechsel erfolgen meist freiwillig und oft zum Wettbewerber.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis gut, weil sich Umsatz in fast allen Branchen auf immer weniger, größere Abnehmer konzentriert. Gesucht werden vor allem Leute, die eine Branche und die Einkaufslogik ihrer Kunden wirklich kennen – Konsumgüter, Pharma, Automotive, Elektrotechnik, Logistik. Entwicklungswege führen zum Global oder International Key Account Manager, in die Leitung eines Key-Account-Teams, in den Vertriebsleitungsbereich oder ins Category Management. Der Wechsel auf die Einkaufsseite ist ebenfalls üblich und wird gut bezahlt.