Was macht Technical Sales?
Technical Sales verkauft Produkte, die sich nicht über einen Katalogpreis erklären lassen: Maschinen, Automatisierungskomponenten, Messtechnik, Software für Produktionsumgebungen, Werkstoffe, Anlagenteile. Der Verkauf beginnt mit einer technischen Frage des Kunden und endet mit einem Angebot, das eine Lösung beschreibt. Dazwischen liegen Werksbesuche, Aufnahme der Anforderungen an der Linie, Abstimmung mit Konstruktion oder Applikationstechnik im eigenen Haus, Auslegungsrechnungen, Testaufbauten und Bemusterungen.
Die Rolle arbeitet überwiegend nach außen, im eigenen Gebiet oder für definierte Branchen und Schlüsselkunden. Ein Teil der Zeit geht für Bestandsbetreuung drauf: Folgeaufträge, Ersatzteile, Umbauten, Reklamationen. Der andere Teil ist Neugeschäft, häufig über Projekte, die von der ersten Anfrage bis zum Auftrag zwölf bis vierundzwanzig Monate laufen. Verkauft wird an Einkauf, Instandhaltung, Fertigungsleitung und Geschäftsführung gleichzeitig, und diese Gesprächspartner wollen Unterschiedliches hören. Führungsverantwortung gehört in der Regel nicht dazu, wohl aber die Steuerung interner Beteiligter ohne Weisungsrecht.
Wie wird man Technical Sales?
Es gibt zwei etablierte Wege. Der erste ist ein technisches Studium, meist Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, gefolgt vom Einstieg über Innendienst, Applikationstechnik oder ein Traineeprogramm. Der zweite Weg führt über eine technische Ausbildung mit anschließender Weiterbildung zum Techniker oder Meister und über Jahre in Service, Montage oder Konstruktion. Wer eine Anlage selbst in Betrieb genommen hat, hat im Kundengespräch einen Vorsprung, der sich nicht anlesen lässt.
Quereinstieg aus dem Handwerk oder dem technischen Service ist realistisch und im Markt üblich, vor allem bei Herstellern von Komponenten und Werkzeugen. Was nachgeholt werden muss, ist die Verkaufsseite: Gesprächsführung, Angebotsstruktur, Preisverhandlung, Umgang mit einem Forecast. Vertriebliche Vorerfahrung ohne technischen Hintergrund funktioniert seltener, weil die technische Glaubwürdigkeit die Eintrittskarte ist.
Was der Beruf verlangt
Reisetätigkeit ist die Regel. Bei Gebietsverantwortung liegen zwei bis vier Tage pro Woche im Außendienst, bei internationaler Zuständigkeit kommen Flugreisen und mehrtägige Abwesenheiten dazu. Messen fallen auf Wochenenden, Inbetriebnahmen auf Nachtschichten des Kunden. Der Rest der Arbeit, Angebote, CRM-Pflege, Reporting, wandert in die Abende.
Der Zieldruck ist vorhanden, aber anders getaktet als im schnellen Vertrieb: Ein verlorenes Projekt lässt sich nicht im Folgemonat ausgleichen, weil der nächste Investitionszyklus Jahre entfernt liegt. Dazu kommt die Rolle zwischen den Fronten, wenn Liefertermine reißen oder eine Anlage nicht die versprochene Leistung bringt. Wer weder technische Details aushält noch unangenehme Gespräche führen will, ist hier falsch. Die Fluktuation ist niedriger als in anderen Vertriebsfeldern, die Einarbeitung dauert dafür oft ein Jahr.
Aussichten
Die Nachfrage nach technisch belastbaren Vertriebsleuten ist im deutschen Maschinen- und Anlagenbau, in der Elektroindustrie und bei Automatisierungsanbietern dauerhaft hoch und wird durch den Nachwuchsmangel in technischen Berufen verstärkt. Entwicklungswege führen zum Key Account Management für Konzernkunden, in die Vertriebsleitung eines Gebiets oder Segments, ins Produktmanagement oder in den Aufbau eines Exportmarkts. Wer Branchenwissen und ein Netzwerk aufgebaut hat, wird abgeworben, oft vom Wettbewerber im gleichen Segment.