Was macht ein Vertriebshunter?
Ein Vertriebshunter arbeitet nach außen und ausschließlich am Neugeschäft. Der Arbeitstag beginnt meist mit der Vorbereitung von Kontakten: Zielfirmen aus einer Liste oder dem CRM prüfen, Entscheider über Unternehmenswebseiten, Branchenverzeichnisse und Business-Netzwerke identifizieren, Anlässe für die Ansprache suchen. Dann folgen Anrufe, Nachrichten und E-Mails an Personen, die den Kontakt nicht angefragt haben. Wer einen Termin bekommt, führt ein Erstgespräch, klärt Bedarf, Budget und Entscheidungswege, erstellt ein Angebot und verhandelt es. Nach dem Abschluss wird der Kunde in vielen Unternehmen an das Account Management oder den Innendienst übergeben, und der Hunter beginnt von vorn.
Die Rolle existiert in fast allen Branchen, am häufigsten in Software, IT-Dienstleistung, Personaldienstleistung, Logistik, Werbung und Industrieprodukten. Manche Stellen sind reine Telefon- und Videorollen vom Büro oder Homeoffice aus, andere verlangen Reisen im Gebiet mit mehreren Terminen pro Tag. Geführt wird in dieser Position in der Regel nicht; die Verantwortung liegt beim eigenen Zahlenziel.
Wie wird man Vertriebshunter?
Es gibt keine geschützte Ausbildung. Üblich sind eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Kaufmann oder Kauffrau im Groß- und Außenhandel oder für Büromanagement, oder ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Kommunikation. Ebenso verbreitet ist der Quereinstieg: Wer im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Handwerk oder in einem Callcenter Kundenkontakt bewiesen hat, wird von vielen Arbeitgebern eingestellt und intern eingearbeitet. Personaldienstleister, Softwarehäuser und Telekommunikationsanbieter besetzen Hunter-Stellen bewusst mit Berufsfremden und schulen Produkt und Gesprächsführung in wenigen Wochen. Häufig führt der Weg über eine Position im Inside Sales oder in der Leadqualifizierung, aus der man nach ein bis zwei Jahren in die Neukundenakquise mit eigenem Abschluss wechselt.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist zahlengetrieben und öffentlich messbar. Anrufversuche, Termine, Angebote und Abschlüsse werden wöchentlich ausgewertet, oft im Vergleich zum Team. Die Absagequote in der Kaltakquise ist hoch, zweistellige Anrufzahlen für einen Termin sind normal. Wer Zurückweisung persönlich nimmt, hält die Rolle selten lange durch; die Fluktuation ist in diesem Vertriebsfeld deutlich höher als im Bestandsvertrieb. Dazu kommt ein variabler Einkommensanteil, der in schwachen Monaten spürbar fehlt.
Die Arbeitszeiten liegen meist in der Kernzeit, weil Entscheider tagsüber erreichbar sind, laufen aber häufig länger, weil Dokumentation und Angebotsschreiben nach den Gesprächen anfallen. Bei Außendienstrollen kommen Fahrzeiten, Messen und gelegentliche Übernachtungen hinzu. Ein Führerschein der Klasse B ist dann Voraussetzung. Verlangt wird außerdem Disziplin ohne Aufsicht: Die Akquiseliste bearbeitet niemand anderes.
Aussichten
Die Nachfrage nach Menschen, die nachweisbar Neugeschäft öffnen, ist stabil hoch, weil die Aufgabe unbeliebt und schwer zu automatisieren ist. Gute Ergebnisse öffnen mehrere Wege: Wechsel in das Key Account Management mit größeren Kunden und längeren Zyklen, Aufstieg zum Teamleiter oder Sales Manager mit Führungsverantwortung, Spezialisierung auf komplexe Lösungsverkäufe oder Wechsel in das Business Development mit Verantwortung für neue Märkte. Der Nachweis von Zielerreichung über mehrere Jahre wiegt bei Bewerbungen schwerer als jeder Abschluss.